Vergebung Teil 2

In der heutigen Zeit wird immer häufiger von Vergebung gesprochen, nicht nur in christlichen Kreisen sondern auch in der Psychologie. Opfer von sexuellen Missbrauch, Gewaltopfer, Menschen, die geistig und emotional von anderen verletzt wurden, sollen dem bzw. den Tätern vergeben.

 

Ich soll vergeben?

Ist das denn immer so einfach, fragt sich so mancher? Wie kann ich meinem Ehemann vergeben, der schon jahrelang mit seiner Kollegin ein Verhältnis hat, während ich mit meinen kleinen Kindern abends auf ihn wartete, damit er mich unterstützt? Wo war er, wenn es Schwierigkeiten mit den Kindern gab?

 

Wie kann ich meinen Eltern vergeben, die mich nie trösteten oder ein ermutigendes Wort für mich hatten, sondern immer wieder mich verbal niedermachten, mir deutlich machten, dass ich nichts bin, nichts wert bin! Oder wo vielleicht das unfassbare passiert ist, sexueller Missbrauch durch einen Familienangehörigen. Wie kann man diesen Menschen so einfach vergeben?

 

Vergebung ist ein Prozess

Manche Dinge können wir nicht so schnell vergeben, wir müssen uns darüber erst einmal klar werden, was ist da mit uns passiert. Und sich das mal alles von der Seele schreiben in Form einer Anklage. Welche Gefühle kommen aus den tiefen meiner Seele hervor, wenn ich an diese Situationen denke?

 

Diesen Schmerz zu spüren, zu erkennen ist so wichtig. Vielleicht sogar den Hass auf diesen Menschen zu spüren und sich einzugestehen, ja ich hasse diesen Menschen, er/sie hat mich so sehr verletzt. Die Augen nicht mehr vor dem Verschließen, was passiert ist, sondern offen der Wahrheit ins Auge sehen.

 

Ist der tiefe Schmerz noch akut?

Manche Situationen im Leben sind so schrecklich, dass wir diesen tiefen Schmerz in unserer Seele verdrängen, dies ist eine Schutz- und Überlebensfunktion unserer Seele. Stellen wir uns eines Tages nicht diesem Schmerz, haben wir keinen Zugang zu all diesen Gefühlen und Gedanken, die mit dem Ereignis zusammenhängen. Und wir erleben wieder, dass in bestimmten Lebensbereichen es immer wieder zu Problemen kommt.

 

Lesen Sie hierzu auch unter Versöhnt leben mit der eigenen Lebensgeschichte weiter.